Innovationsreport: Neues ist nicht immer besser

Trotz früher (Zusatz-)Nutzenbewertung, die der Gesetzgeber mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführt hat, liegen bei Markteinführung oft keine ausreichenden Erkenntnisse vor, welchen therapeutischen Fortschritt neue Arzneimittel im Versorgungsalltag darstellen. Das zeigt der Innovationsreport 2014, den Wissenschaftler der Universität Bremen mit Unterstützung der TK erarbeitet haben.

Von den 20 untersuchten Wirkstoffen haben Hersteller im Nachhinein für acht von ihnen Warnhinweisschreiben verschickt. Dr. Jens Baas, TK-Vorstandsvorsitzender: „Eine einmalige Bewertung neuer Arzneimittel reicht im Grunde nicht aus. Was wir brauchen, sind weitere Spätbewertungen mit Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag, um den tatsächlichen Nutzen neuer Medikamente besser einschätzen zu können.“

Nur drei Wirkstoffe bringen therapeutischen Fortschritt

Für den Report haben Studienleiter Professor Dr. Gerd Glaeske und sein Team Wirkstoffe untersucht, die 2011 auf den deutschen Markt kamen. Davon sind nur drei Wirkstoffe als therapeutischer Fortschritt einzustufen. Glaeske: „Die Ergebnisse fallen insgesamt betrachtet eher bescheiden aus. Da tröstet es kaum, dass der Jahrgang 2010 noch schlechter abgeschnitten hat.“

Ein Sonderkapitel befasst sich mit der stratifizierenden, also personalisierten Medizin. Denn es werden vermehrt Arzneimittel zugelassen, für die man erst einen Biomarker-Test machen muss. „Das Thema weckt bei vielen Menschen große Hoffnungen – natürlich besonders bei Schwerkranken“, sagt Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorstandsvorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Vor allem in der Krebsmedizin kommen vermehrt Arzneimittel auf den Markt, deren Einsatz mit einem spezifischen Biomarker-Test verknüpft ist. „Wichtig ist aber, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Patientenauswahl per Biomarker und dem Behandlungserfolg immer durch ein geeignetes Studiendesign nachgewiesen wird.“